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DAS EREIGNIS: DIE KUNST SCHMUGGELT SICH IN DIE STADT EIN

TRANSFERT – Kunst im urbanen Raum.
39 Künstler (Europa, USA, Thailand) wurden eingeladen, im städtischen Raum zu intervenieren. Sie schmuggeln sich in die Infrastrukturen der Stadt ein und erkunden die Fähigkeit der Kunst, unseren Alltag zu infiltrieren.
TRANSFERT bildet die 10. Schweizer Skulpturenausstellung in Bienne. Die erste Ausgabe dieser Veranstaltung, die mit ihrer Absicht, Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen, wegweisend war, fand 1954, die bisher letzte 1991 statt.
Diese breit angelegte Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft eines Gremiums, dem Persönlichkeiten wie Ruth Dreifuss, Moritz Leuenberger, Yvette Jaggi, Herzog & de Meuron, Simon de Pury u.a.m. angehören. Aus diesem Anlass erscheint ein umfangreicher Katalog (E/D/F, 480 Seiten).


DATEN

17. Juni - 31. August 2000. Offizielle Eröffnung: 17. Juni 2000, 18.00 h.


ORT

Bienne, Stadtzentrum.
Der Zentralplatz, der Guisanplatz und das Kongresshaus markieren die Grenzen des Ausstellungsbereichs.
(Gleichzeitig wird in den Strassen von Basel, Berlin, Bern, Biel, Dijon, Genf, Hamburg, London, Neuchâtel und Paris ein von vier internationalen Künstlern gestaltetes Plakatprogramm zu sehen sein.)


ÖFFNUNGSZEITEN

24h/24h (bzw. bei einigen Interventionen die Öffnungszeiten der Geschäfte).


DIE KÜNSTLER

Renaud Auguste-Dormeuil (F), Stefan Banz (CH), Olivier Blanckart (F), Etienne Bossut (F), Olaf Breuning (CH), Roderick Buchanan (SCO), Christoph Büchel (CH), Patrick Corillon (B), Simone Decker (LUX), Jeremy Deller (GB), Daniel Firman (F), Jean-Damien Fleury (CH), Peter Garfield (USA), Ulrike Gruber (D), Fabrice Gygi (CH), Alexander Gyoerfi (D), Jens Haaning (DAN), Eric Hattan (CH), Lori Hersberger (CH), Henrik Plenge Jakobsen (DAN), Surasi Kusolwong (THAI), Peter Land (DAN), Abigail Lane (GB), Lang/Baumann (CH), Mathieu Mercier (F), Thom Merrick (USA), Jonathan Monk (GB), Olivier Mosset (CH), Gianni Motti (I), Daniel Pflumm (D), Philippe Ramette (F), Relax (CH), Christian Robert-Tissot (CH), Daniel Ruggiero (I), Roman Signer (CH), Nika Spalinger (CH), Uri Tzaig (ISR), Erwin Wurm (A), Dana Wyse (CAN).


DIREKTOR

Marc-Olivier Wahler
(Künstlerischer Leiter des CAN, Centre d’art Neuchâtel; Kunstkritiker).


INFORMATIONEN

Tel. : +41 (0)32 322 3120. Fax : +41 (0)32 322 6488.
info@transfert-b.ch www.transfert-b.ch.



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DAS EINPFLANZEN

TRANSFERT betont die Begriffe des Einpflanzens und der Injektion als über den Gedanken des Hinzufügens oder des Supplements hinausreichend. Die Ausstellung sieht deshalb vor, in erster Linie die existierenden Infrastrukturen der Stadt zu benutzen (Dächer, Geländer, Laternen, Asphalt, Geschäfte, Fassaden, Plakate, Verkehrsmittel, Belüftungsschächte, Zeitungen, Fernsehen usw.), und zwar in dem festen Willen, deren jeweilige Logiken an ihre äussersten, ja sogar absurden Grenzen zu treiben. So inszeniert etwa ein Künstler drei Mal täglich eine Feuersbrunst, ein anderer installiert einen niesenden Mülleimer, weitere bieten von Motorradfahrern ausgeführte Choreographien, Ratschläge zum Verschwindenlassen bestimmter Produkte oder zum “Sich-Zuhause-Tarnen”, einen Baum der Angst, eine Sicherheitszone für das Kongresshaus, einen Staudamm für den Schüss-Kanal, Belüftungsschächte für einen Autobahntunnel, einen automatischen Brotspender für Vögel, Riesenaquarien, einen Raum der Zukunft, eine unerträgliche Jazzband, die die schönste Musik der Welt spielt oder Pillen, um Protestant, Künstler oder blond zu werden... Die aktuelle Kunst stellt sich nicht mehr vor die Welt, um sie besser untersuchen oder beschwören zu können. Vielmehr schmuggelt sie sich darin ein und fädelt sich durch die Vielfalt der Netze, die unsere Realität tagtäglich knüpft. Sie arbeitet eher in einer Logik der Bewegung, der Geschwindigkeit, als in einer Logik der Darstellung. Indem die Künstler von heute die Regeln der Sichtbarkeit verdrehen, bringen sie eine wahre Ästhetik der Unterschwelligkeit hervor.


DIE ZONE

Mit besonderem Augenmerk auf den Begriff der Ausstellung umgrenzt TRANSFERT eine zwischen drei geographischen Merkpunkten gelegene Zone und ermutigt – über ein dynamisches System von Entsprechungen – zum Dialog zwischen den Werken und daher auch zwischen den Werken und den Kontexten, in die sie sich einschreiben. Das Werk steht der Stadt nicht mehr allein gegenüber. Der Besucher läuft nicht mehr durch die Strassen, um nach Kunstwerken zu suchen. Stattdessen befindet er sich mitten in einer von ständig modifizierten Raum-Zeiten durchrasterten Zone. An den Besuch einer Ausstellung geht man anders heran als an einen Spaziergang in der Stadt. Unvermeidlich entsteht ein Oszillieren zwischen der geistigen Verfassung, die zum Erleben einer Ausstellung gehört und jener, die man täglich beim Spazieren durch die Stadt empfindet. Auf dieses ständige Oszillieren kommt es hier an. Es bildet vor allem einen Energievektor. Da sich die künstlerischen Praktiken nun über ihren Gebrauchswert vermitteln, gilt es sie vordringlich an dem Ort des Austauschs und der Energie ins Spiel zu bringen, den die Stadt darstellt.


DER KATALOG

Die Künstler schöpfen ihre Referenzen nicht mehr aus einem Kunstsystem, das mit seinem selbstlegitimatorischen und tautologischen Charakter so etwas wie eine angenehme Raststätte geboten hat, eine Offshore-Plattform, wo der Lärm der Welt als geregeltes Säuseln wie aus einer Klimaanlage anweht. Ihre Quellen sind urban und strukturieren sich in den Strömen, die durch die Strassen, die Peripherien und Passagen verlaufen. Der Ausstellungskatalog (e/d/f; 480 Seiten) trägt diesem Umstand Rechnung. Neben den üblichen Informationen zu den Werken und zur Ausstellung umfasst der Band weitere Referenzsysteme, zunächst in Gestalt eines persönlichen Pantheons der TRANSFERT-Künstler, dann weiterentwickelt von Autoren wie Joshua Decter (USA), Jean-Charles Masséra (F), Frank Perrin (F), Martin Conrads (D), Olivier Mosset (CH) und Marc-Olivier Wahler (CH).



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